Pilotprojekt mit iPads

Ein Spiel soll der Verschuldung von Jugendlichen vorbeugen

Mit einer App auf dem iPad will die Primarschule den Umgang mit Geld lehren. Das Pilotprojekt in der vierten und fünften Klasse der Primarschule Ueken wird zusammen mit der FHNW durchgeführt.

Alice Stans ist eine Fantasiefigur und die Heldin des Spiels «Cure Runners». Ihr Ziel: Die verseuchte Insel retten, auf der sie sich befindet. Auf ihrem Weg muss Alice verschiedene finanzielle Entscheidungen treffen. Die Heilung nach einem Angriff beispielsweise muss sie mit «Cures» bezahlen, der Währung des Spiels.

Aktuell kämpfen sich Schülerinnen und Schüler einer vierten und einer fünften Klasse in der Primarschule Ueken zusammen mit Alice durch die verschiedenen Levels. Damit soll den Kindern der Umgang mit Geld spielerisch beigebracht werden. Das Pilotprojekt wird zusammen mit der FHNW durchgeführt.

«Wir wollen die Kinder möglichst früh auf das Thema Finanzen sensibilisieren», erklärt Claudia Fischer von der Beratungsstelle Digitale Medien in Schule und Unterricht der Pädagogischen Hochschule FHNW. Der Verschuldung von Jugendlichen müsse man bereits in der Primarstufe entgegenwirken, erklärt sie.
Integration statt Verbot
Auch für die beiden Klassenlehrerinnen, Fabienne Senn und Samantha Müller, steht die Sensibilisierung der Kinder im Fokus. Laut Senn haben ihre Schüler schnell gemerkt, dass zwischen dem Spiel und ihrem eigenen Leben Parallelen bestehen: «Das Ausgeben von «Cures» im Spiel unterscheidet sich eigentlich nicht davon, wie die Kinder im echten Leben Geld ausgeben: Sie müssen abwägen, ob das Budget den Kauf noch zulässt.»

Auch der Umgang mit den digitalen Medien soll geschult werden. «Früher oder später kommt heute jedes Kind mit einem Tablet oder Smartphone in Berührung», sagt Fischer. Seitens einiger Eltern seien Bedenken geäussert worden, die Kinder hängen nur noch vor dem Bildschirm, wenn sie auch in der Schule mit einem Tablet spielen. Das passiere nicht, sagt Fischer, die Kinder spielen nach wie vor gerne Fussball in der Pause. Wichtig sei, dass die Kinder lernen, verantwortungsvoll mit den neuen Medien umzugehen. «Dazu müssen diese in den Schulalltag integriert und nicht etwa verboten werden», erklärt Fischer.
Ein Spiel wie das echte Leben
Am Mittwochmorgen wurde der aktuelle Spielstand im Unterricht besprochen. In der vierten Klasse wird aber am Anfang des Unterrichts zuerst diskutiert, wofür die Schüler selber zuletzt Geld ausgegeben haben. Und sie sollen die Einkäufe entweder unter «Das brauche ich» oder «Das will ich» einordnen. Ein blondes Mädchen erklärt, warum bei ihr Bücher auf der «Brauchen»-Seite stehen: «Wenn ich nicht lesen kann, werde ich nervös. Ich brauche Bücher, damit es mir gut geht!»

Dann erzählen die Kinder, wofür Alice bei ihnen im Spiel zuletzt Geld ausgegeben hat und ob sie das aus Freude getan hat oder weil sie etwas brauchte. Schnell wird klar: Alice hat andere Prioritäten, Spasskäufe liegen bei ihr nicht drin. Ob die Kinder später ihre Finanzen dank «Cure Runners» besser im Griff haben, wird die Zeit zeigen. Fest steht: In den beiden Klassen kommt das Spiel sehr gut an. Während der Spielzeit im Unterricht sitzen die Kinder konzentriert an ihren Pulten, helfen einander weiter und lassen ihren Emotionen freien Lauf, wenn sie ein Level verhauen haben. Das echte Leben eben.

(az Aargauer Zeitung)